Unfall — was tun? Ihre Schritt-für-Schritt-Anleitung nach dem Unfall

Die 10 wichtigsten Schritte nach einem Verkehrsunfall. Damit Sie nichts vergessen und Ihre Ansprüche sichern.

Infografik: Unfall — was tun? Die 5-Schritte-Checkliste: Sichern, Erste Hilfe, Dokumentation, Daten austauschen, Gutachter kontaktieren

Ein Verkehrsunfall ist eine Ausnahmesituation. Adrenalin, Schock, Unsicherheit — alles passiert gleichzeitig. Genau deshalb brauchen Sie einen klaren Plan. Diese Checkliste zeigt Ihnen in 10 Schritten exakt, was Sie tun müssen, um sich, Ihre Gesundheit und Ihre finanziellen Ansprüche zu schützen.

Wichtig: Speichern Sie sich diese Seite als Lesezeichen ab. Im Ernstfall haben Sie so sofort Zugriff auf Ihre Checkliste.

1 Ruhe bewahren und Warnblinkanlage einschalten

Der erste und wichtigste Schritt: Atmen Sie tief durch. Panik ist Ihr schlimmster Feind nach einem Unfall. Schalten Sie sofort die Warnblinkanlage ein — das ist Ihr erstes Sicherheitssignal an den nachfolgenden Verkehr.

Verschaffen Sie sich einen schnellen Überblick: Ist jemand verletzt? Brennt etwas? Besteht unmittelbare Gefahr? Diese erste Einschätzung dauert nur Sekunden und bestimmt Ihr weiteres Vorgehen.

2 Unfallstelle absichern

Bevor Sie irgendetwas anderes tun: Sichern Sie die Unfallstelle ab. Das schützt Sie und andere Verkehrsteilnehmer vor Folgeunfällen.

  • Warnweste anziehen — bevor Sie das Fahrzeug verlassen
  • Warndreieck aufstellen — innerorts ca. 50 m, auf der Landstraße ca. 100 m, auf der Autobahn ca. 150-200 m hinter der Unfallstelle
  • Auf der Autobahn: Hinter der Leitplanke aufhalten, niemals über die Fahrbahn laufen
Achtung: Auf der Autobahn sind Folgeunfälle die größte Gefahr. Bringen Sie sich und alle Beteiligten sofort hinter die Leitplanke in Sicherheit.

3 Verletzte versorgen und Notruf wählen

Wenn Personen verletzt sind, hat die Erste Hilfe absolute Priorität. Rufen Sie sofort den Notruf unter 112 an. Die Leitstelle führt Sie durch die nötigen Schritte.

Merken Sie sich die 5 W-Fragen für den Notruf:

  • Wo ist der Unfall passiert?
  • Was ist passiert?
  • Wie viele Verletzte gibt es?
  • Welche Verletzungen liegen vor?
  • Warten auf Rückfragen

4 Polizei rufen — wann ja, wann nein

Die Polizei muss gerufen werden bei:

  • Personenschäden (auch leichte Verletzungen)
  • Unfall mit ausländischen Beteiligten
  • Verdacht auf Alkohol oder Drogen
  • Fahrerflucht-Gefahr
  • Erheblichem Sachschaden
  • Unklarer Schuldfrage
Unser Rat: Im Zweifel die Polizei immer rufen. Eine polizeiliche Unfallaufnahme ist ein starkes Beweismittel. Besonders wenn der Unfallgegner sich weigert, seine Daten herauszugeben, oder die Schuldfrage unklar ist.

5 Unfall dokumentieren — Fotos, Skizze, Zeugen

Ihr Smartphone ist jetzt Ihr wichtigstes Werkzeug. Fotografieren Sie alles:

  • Übersichtsaufnahmen der gesamten Unfallstelle (aus allen Richtungen)
  • Detailaufnahmen aller Schäden an beiden Fahrzeugen
  • Kennzeichen aller beteiligten Fahrzeuge
  • Straßenverhältnisse, Verkehrsschilder, Ampeln
  • Bremsspuren auf der Fahrbahn
  • Wetterbedingungen und Lichtverhältnisse

Fertigen Sie zusätzlich eine Unfallskizze an: Fahrtrichtungen, Position der Fahrzeuge, Straßenverlauf. Sprechen Sie Zeugen an und notieren Sie deren Kontaktdaten.

Wichtig: Verrücken Sie die Fahrzeuge nicht, bevor Sie alles fotografiert haben — es sei denn, sie stellen eine Gefahr dar oder die Polizei bittet darum.

6 Europäischen Unfallbericht ausfüllen

Der Europäische Unfallbericht (EUB) ist ein standardisiertes Formular, das beiden Parteien hilft, den Unfallhergang korrekt festzuhalten. Füllen Sie ihn gemeinsam mit dem Unfallgegner aus.

Haben Sie keinen Unfallbericht im Auto? Kein Problem — notieren Sie die wichtigsten Daten auf einem Blatt Papier oder in Ihrem Smartphone.

Tipp: Laden Sie sich den Europäischen Unfallbericht herunter und legen Sie ihn ins Handschuhfach. Im Ernstfall haben Sie ihn griffbereit. Unterschreiben Sie nur, was Sie auch tatsächlich bestätigen können.

7 Daten austauschen

Tauschen Sie mit dem Unfallgegner folgende Daten aus:

  • Name, Vorname, Anschrift
  • Telefonnummer
  • Kfz-Kennzeichen
  • Name der Kfz-Haftpflichtversicherung
  • Versicherungsscheinnummer
  • Führerscheinnummer

Fotografieren Sie den Führerschein und die Versicherungskarte des Unfallgegners. So haben Sie alle Daten sicher gespeichert und können nichts verlieren.

8 Eigene Versicherung informieren

Melden Sie den Unfall zeitnah bei Ihrer eigenen Kfz-Versicherung — auch wenn Sie nicht schuld sind. Die meisten Versicherungsverträge sehen eine Meldefrist vor. Bei der Schadensmeldung geben Sie nur die Fakten weiter, keine Schuldeingeständnisse.

Achtung: Geben Sie am Unfallort niemals ein Schuldanerkenntnis ab. Sagen Sie weder mündlich noch schriftlich, dass Sie schuld sind. Das kann Ihnen rechtlich zum Nachteil werden.

9 Unabhängigen Kfz-Gutachter beauftragen — Ihr Recht!

Dieser Schritt ist entscheidend und wird oft vergessen: Sie haben das Recht, einen eigenen, unabhängigen Kfz-Gutachter zu beauftragen. Die Kosten trägt die gegnerische Versicherung (bei unverschuldetem Unfall).

Ein unabhängiges Gutachten dokumentiert:

Ihr Vorteil: Im Durchschnitt erhalten Unfallgeschädigte mit unabhängigem Gutachten bis zu 40 % mehr Entschädigung als ohne. Die gegnerische Versicherung wird versuchen, Ihnen einen eigenen Gutachter zu schicken — warum Sie das ablehnen sollten, erfahren Sie hier.

Rufen Sie uns an — wir sind in der Regel innerhalb von 24 Stunden bei Ihnen. Kostenlos bei unverschuldetem Unfall.

10 Anwalt einschalten — wann ist das sinnvoll?

Ein Fachanwalt für Verkehrsrecht ist empfehlenswert bei:

  • Personenschäden (Schmerzensgeld, Verdienstausfall)
  • Streitiger Schuldfrage
  • Hohem Sachschaden (über 5.000 EUR)
  • Wenn die Versicherung Ihre Ansprüche kürzt oder ablehnt
  • Totalschaden

Bei einer Verkehrsrechtsschutzversicherung übernimmt diese die Anwaltskosten. Bei unverschuldetem Unfall muss die gegnerische Haftpflichtversicherung auch die Anwaltskosten tragen.

Tipp: Wir arbeiten mit erfahrenen Verkehrsrechtsanwälten in der Region zusammen und vermitteln Ihnen gerne den passenden Kontakt.

Zusammenfassung: Ihre Unfall-Checkliste zum Abspeichern

Hier nochmal alle 10 Schritte auf einen Blick. Speichern Sie sich diese Seite in Ihrem Smartphone:

  1. Ruhe bewahren, Warnblinkanlage an
  2. Unfallstelle absichern (Warndreieck, Warnweste)
  3. Verletzte versorgen, Notruf 112
  4. Polizei rufen (bei Verletzten, hohem Schaden, unklarer Schuld)
  5. Unfall dokumentieren (Fotos, Skizze, Zeugen)
  6. Europäischen Unfallbericht ausfüllen
  7. Daten austauschen (Personalien, Versicherung, Kennzeichen)
  8. Eigene Versicherung informieren
  9. Unabhängigen Kfz-Gutachter beauftragen
  10. Anwalt einschalten (bei Bedarf)

Häufige Fragen nach einem Unfall

Muss ich nach jedem Unfall die Polizei rufen?

Nein, bei reinen Sachschäden ohne Verletzte sind Sie nicht verpflichtet, die Polizei zu rufen. Wir empfehlen es aber dringend, wenn die Schuldfrage unklar ist, der Unfallgegner keine Daten herausgeben will oder Sie Alkohol- bzw. Drogeneinfluss beim Gegner vermuten.

Was kostet mich der Kfz-Gutachter nach dem Unfall?

Bei einem unverschuldeten Unfall: nichts. Die Kosten für den Gutachter trägt die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers. Das ist Ihr gesetzliches Recht. Sie müssen weder in Vorleistung gehen noch irgendetwas selbst bezahlen.

Kann ich mein Auto vor dem Gutachten reparieren lassen?

Nein, lassen Sie Ihr Fahrzeug nicht vor der Begutachtung reparieren. Der Gutachter muss den Schaden im Originalzustand dokumentieren. Eine vorherige Reparatur kann dazu führen, dass Ihnen Ansprüche wie die Wertminderung verloren gehen.

Wie schnell muss ich einen Gutachter beauftragen?

So schnell wie möglich. Idealerweise innerhalb der ersten 1-3 Tage nach dem Unfall. Je frischer der Schaden dokumentiert wird, desto besser. Rufen Sie uns an — wir sind in der Regel innerhalb von 24 Stunden bei Ihnen.

Was passiert, wenn der Unfallgegner sich entfernt hat (Fahrerflucht)?

Rufen Sie sofort die Polizei (110). Notieren Sie sich alles, was Sie sich merken können: Fahrzeugfarbe, -typ, Kennzeichen (auch Teile davon), Fahrtrichtung. Sichern Sie Zeugenaussagen. Auch bei Fahrerflucht lohnt sich ein Gutachten — die Regulierung kann über die Verkehrsopferhilfe oder Ihre Vollkaskoversicherung erfolgen.

Unfall gehabt? Wir helfen sofort.

Kostenlose Ersteinschätzung in 60 Sekunden. Rufen Sie an oder senden Sie eine WhatsApp — auch am Wochenende.

Anrufen WhatsApp